Implantologie und Präprothetik

In der Implantologie werden künstliche Zahnwurzeln in den Kiefer integriert. Implantate bilden eine Befestigungsmöglichkeit für unterschiedliche Formen des prothetischen Zahnersatzes. Implantate können einzelne fehlende Zähne ersetzen oder die Basis für eine Brücke innerhalb bzw. am Ende einer  Zahnreihe bilden. Das Beschleifen von Nachbarzähnen als Brückenpfeiler kann so vermieden werden. Auch eine herausnehmbare Prothese kann mittels Implantaten stabilisiert und fixiert werden. 

Falls das für ein Implantat notwendige knöcherne Lager nicht ausreichend Platz bietet, kann eigener Knochen aus dem Beckenkamm oder dem Unter- bzw Oberkiefer entnommen und in den entsprechenden Lagerbereich verpflanzt werden. Danach kann im Intervall die eigentliche „Implantation“ durchgeführt werden.

Implantologie

Die „zahnärztliche Implantologie" bezeichnet das Einbringen künstlicher Zahnwurzeln in den menschlichen Kiefer. Dazu hat sich Titan als ideales Implantatmaterial erwiesen. Titan wird ohne Abstoßung in den menschlichen Knochen eingebaut, integriert. Diesen Vorgang bezeichnet man als „Osseointegration". Zwischen  Knochen und Implantat besteht ein direkter enger Kontakt, in dem sich kein parodontales Zwischengewebe oder „Halteapparat" ausbildet. Eine gesunde Knochensubstanz ist eine wichtige Voraussetzung für eine langfristig erfolgreiche Implantatversorgung.


Eine enge Zusammenarbeit mit dem prothetisch behandelnden Zahnarzt schon im Rahmen der Planung ist meist dringend erforderlich.

Diese läuft in mehreren Schritten ab:

  1. Analyse und Beurteilung der dentalen und knöchernen Situation
  2. Planung der Positionierung der Implantate in Hinsicht auf die geplante prothetische Versorgung
  3. Schaffung einer optimalen knöchernen und weichgeweblichen Basis (s. Präprothetik)
  4. evtl. digitale computergestützte dreidimensionale Planung und Herstellung von Bohrschablonen
  5. Einbringen der Implantate in örtlicher oder Allgemeinnarkose
  6. Insertion der Prothetik durch den Zahnarzt nach Freilegung der Implantate
  7. regelmäßige Nachsorge und Kontrolle

Implantate, ggf. provisorische Sofortimplantate, können bei sehr kräftigem Knochen selten auch direkt nach dem Einsetzen mit einer Interimsprothetik versorgt werden und so bereits nach kurzer Zeit eine Verbesserung der Kaufunktion und der Ästhetik ermöglichen.

Die Erfolgswahrscheinlichkeit der Implantatversorgung ist neben einer guten Mundhygiene sowohl von der Quantität als auch der Qualität des knöchernen Lagers abhängig. Es heilen so bis zu 95 % der gesetzten Implantate komplikationslos und dauerhaft ein. Das gilt auch bei Implantaten in zuvor transplantiertem Knochen.

Auch Rekonstruktionen von Gesichtsdefekten mittels sogenannter Epithesen sind durch Befestigungen über Implantate möglich.

Präprothetik
In der präprothetischen Chirurgie wird vor der Implantation ein optimales und adäquates knöchernes und weichgewebliches Lager geschaffen. Anschließend kann eine Prothese eingegliedert oder eine Implantation in einem guten knöchernen Lager durchgeführt werden. Der Aufbau des knöchernen Kiefers findet meist vor oder im Rahmen der Implantation statt, eine abschließende Korrektur des Weichgewebslagers vor allem bei der Implantatfreilegung. 


Aufbauten des knöchernen Kiefers sind in Vollnarkose, aber auch in örtlicher Betäubung möglich. Folgende Verfahren haben sich dabei etabliert:


Auflagerungsosteoplastik
Es wird Knochen auf die atrophierten/geschwundenen Anteile des Kiefers auf- und angelagert, um die gewünschte knöcherne Basis in Höhe und Breite zu gewinnen.


Einlagerungsosteoplastik
Knochen wird in die verlorengegangenen Anteile des Kiefers eingelagert, um die gewünschte knöcherne Basis – meist in vertikaler Dimension – zu gewinnen.

Dies findet v. a. bei der Defektauffüllung von Zysten oder bei der Anhebung des Kieferhöhlenbodens, Sinuslift-Operation, statt.

Sandwichosteoplastik
Der transplantierte Knochen wird nach Spaltung des noch vorhandenen Kieferknochens zwischen die Anteile des gespaltenen Kiefers eingelagert, um so das gewünschte knöcherne Lager zu erhalten.

Knochendistraktion
Mittels kleiner mechanisch dehnender Distraktoren wird zuvor geteilter Knochen auseinandergezogen. Dabei muss kein körpereigener Knochen als Ersatz entnommen werden. Dieses Verfahren setzt jedoch eine präzise und gewissenhafte Mitarbeit des Patienten voraus.

Im Allgemeinen kann der zu verpflanzende Knochen in verschiedenen Verfahren aus mehreren Bereichen des Mundes, v. a. aber aus dem Beckenkamm, der die qualitativ und quantitativ beste Entnahmeregion darstellt, entnommen werden. Bei der Entnahme und der Auf- bzw. der Einlagerung des Knochens kann auf diverse moderne und schonende unterstützende Methoden wie die Membranttechnik und die Piezochirurgie zurückgegriffen werden.